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Radioaktives Jod nach Kernspaltung

Im Betrieb eines Kernkraftwerkes entsteht bei der Kernspaltung neben anderen radioaktiven und nichtradioaktiven Stoffen auch radioaktives Jod. Bei einem schweren Atomunfall, wie 1986 im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl und 2011 im japanischen Atomreaktor Fukushima, werden flüchtige radioaktive Isotope freigesetzt. Die sich in der Luft ausbreitenden Isotope bezeichnet man als Nuklide in ihrem Verhältnis zueinander, wenn ihre Atomkerne gleich viele Protonen, jedoch verschieden viele Neutronen enthalten, wie Cäsium, Strontium und auch Jod. Bei diesem Jod handelt es sich um ein anderes, als das in unserem Jodsalz enthaltene.

Zellen und Drüsen der Schilddrüse Glandula thyreoidea, Hypothyreose Unterfunktion und Hyperthyreose Überfunktion

Zellen und Drüsen der Schilddrüse (Glandula thyreoidea); Hypothyreose (Unterfunktion) und Hyperthyreose (Überfunktion) der Schilddrüse.

Das radioaktive Jod hat vier Neutronen mehr in seinem Atomkern, man spricht von Jod 131. Damit Jod seinen Normalzustand Jod 127 wieder erreicht, gibt es die vier überflüssigen Neutronen ab, die Strahlung entsteht.
Wenn Jod 131 über die Luft, Nahrung oder Wasser aufgenommen wird, dann setzt sich diese gefährliche Strahlung im Körper frei, wodurch Zellen zerstört werden und es zu Krebs kommen kann. Jod 131 hat eine Halbwertszeit von rund 8 Tagen und kann in dieser Zeit bereits zu Schilddrüsenkrebs führen.


Jod-Tabletten gegen Schilddrüsenkrebs

130 Milligramm beträgt die Dosis einer der Jod-Tablette, doch der Jodvorrat im menschlichen Körper liegt bei 10 bis 30 Milligramm. Eine Tablette genügt für eine Sättigung des Jodvorrats und kann so vor einer der möglichen Folgen radioaktiver Strahlung wie Schilddrüsenkrebs schützen. Treten bei einer Kernschmelze die flüchtigen Substanzen Cäsium 137 und Jod 131 aus, kann das radioaktive Jod in den Körper gelangen und sich in der Schilddrüse ansammeln. Jodüberschuss kann tödlich sein, deshalb ist Aufklärung sehr wichtig. Schon bei mehr als 1 Milligramm täglich kann ein Jodüberschuss auftreten mit erhebliche Nebenwirkungen wie Reizungen der Schleimhaut in Mund und Rachen, Brennen oder Schmerzen im Magen-Darm-Trakt. Lensgefahr entsteht im Extremfall wenn es in Schleimhäuten und im Nierengewebe zu Verätzungen mit Blutungen kommt. Ohne Behandlung gehen diese Beschwerden in einen Schock mit Kreislaufversagen über.

Die Schilddrüse benötigt Jod, um lebenswichtige Schilddrüsenhormone zu produzieren. Das benötigte Jod unsere Schilddrüse welches über die Atemluft, über Nahrung und Getränke aus der Natur aufgenommen wird, ist nicht radioaktiv.

Schutz durch Gabe von Jodtabletten

Das radioaktives Jod 131 hat die gleichen Eigenschaften wie das natürliches Jod und wird daher wie natürliches Jod vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse eingelagert. Werden rechtzeitig Tabletten mit einer hohen Konzentration nicht-radioaktiven Jods eingenommen, wird die Schilddrüse mit diesem „gesunden“ Jod gesättigt und es kann kein radioaktives Jod zusätzliche aufgenommen werden. Durch diese „Jodblockade“ wird die Einlagerung des radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindert. Dabei ist wichtig, dass Jodtabletten zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden, das ist jedoch nicht durch Selbstmedikation möglich.
Hochdosierte Jodtabletten, Kaliumiodid-Tabletten, werden bei einem Atomunfall von den Behörden betroffene Bevölkerung im Umkreis von 25 bis 100 km um das Kernkraftwerk kostenlos verteilt. Es werden in Deutschland genügend Jodtabletten bereitgehalten, um die betroffene Bevölkerung - besonders Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende - gut zu versorgen.

Schilddrüsenkrebs Struma maligna

Als Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom, Struma maligna) wird eine bösartige Neubildung der Schilddrüse bezeichnet. Der Schilddrüsenkrebs wird in verschiedene Typen unterteilt, von denen der häufigste Typ oft im jungen Erwachsenenalter auftritt. Störende Schilddrüsenknoten sind meistens das erste Symptom. Zur Untersuchung wird neben Ultraschall auch die Szintigraphie angewandt. Die Behandlung besteht aus Operation und der Radiojodtherapie. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt.
Beim Schilddrüsenkrebs besteht ein ursächlicher Zusammenhang mit Jodmangel. Aber auch Strahlung (vor allem im Kindesalter und bei Jugendlichen) spielt - wie bei vielen Krebserkrankungen - eine wesentliche Rolle.

Zukunft ohne Angst vor Atom-Strahlung

Mit der atomaren Katastrophe in Japan hat die Auseinandersetzung über Atomkraft wieder an Bedeutung gewonnen. Die Risiken der Atomkraft sind nach wie vor unkalkulierbar, deshalb sollte die Energiegewinnung zukünftig ohne Atomkraft auskommen. Die Menschen müssen an ihre Folgegenerationen denken welche mit den atomaren Altlasten leben müssen, ob sie wollen oder nicht. Es gibt weltweit noch keine sicheren Endlagerungstätten für radioaktiven Müll! Deshalb muss alles getan werden, dass das Leben auf der Erde eine Zukunft hat.



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Jod und Jod 131, Jodtabletten gegen radioaktive Strahlung, Jod-Sättigung der Schilddrüse Glandula thyreoidea

Medical Art Jodtherapie bei radioaktive Strahlung, Jod-Sättigung der Schilddrüse durch Jodtabletten.

Kehlkopf Larynx mit Schilddrüse Glandula thyroidea und Zellen Schilddrüsenzellen

Kehlkopf (Larynx) mit Schilddrüse und histologischer Ausschnitt der Schilddrüsenzellen. Die Rezeptoren für die Schilddrüsenhormone befinden sich in den Zellkernen und den Mitochondrien der Zellen. Funktionsstörungen der Schilddrüse können sein: Überfunktion (Hyperthyreose) oder Unterfunktion (Hypothyreose), Entzündung (Thyreoiditis), bösartige Entartungen (Schilddrüsenkrebs) oder die Kombination der genannten Formen.


Kehlkopf Larynx und Rachen Pharynx mit Schilddrüse Glandula thyreoidea, Schilddrüsensenkrebs Schilddrüsenkarzinom und Hyperplasie Hyperparathyreose der Nebenschilddrüsen

Larynx und Pharynx mit Schilddrüse, Schilddrüsensenkrebs und Hyperplasie der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus, Hyperparathyreose, HPT).
Als Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom, Struma maligna) wird eine bösartige Neubildung der Schilddrüse bezeichnet, Knotenbildungen in der Schilddrüse können als „Kalter Knoten“ (malignitätsverdächtig, Schilddrüsenkrebs) oder „Heißer Knoten“ (autonomes Adenom) vorkommen.

Beim Hyperparathyreoidismus versteht man eine anhaltende Überproduktion von Parathormon, die von einem Adenom, einer Hyperplasie oder einem Karzinom der Nebenschilddrüsen ausgeht.

Bilder: © Frank Geisler 2016

Im medizinischen Bildarchiv www.medical-pictures.de können die Grafiken per Download erworben werden.

Links zum Thema Schilddrüse:

Kehlkopf, Luftröhre und Teil der Luftwege

Schilddrüse und Nebenschilddrüse

Periphere Hormone des Menschen